Migränevorbeugung / Migräneprophylaxe

Die individuelle Auswahl eines Medikamentes richtet sich nach den persönlichen Bedürfnissen des Betroffenen. Im folgenden Informationsblatt informieren wir Sie über verschiedene Migräneprophylaktika:

 

• Betarezeptorenblocker

Betablocker wie Metoprolol (z. B. Beloc), Propranolol (z. B. Propra) oder Bisoprolol (z. B. Concor) sind Medikamente der ersten Wahl zur Migränevorbeugung. Die angestrebte Zieldosis zur Migräneprophylaxe liegt für die einzelnen Substanzen unterschiedlich, für Metoprolol zwischen 50 und 100 mg pro Tag und Propranolol zwischen 30 und 100 mg pro Tag und für Bisoprolol zwischen 2,5 bis 10 mg pro Tag. Als häufige Nebenwirkung von Betablockern treten Müdigkeit, niedriger Blutdruck und Schwindel auf.

Eine häufige Besorgnis von Patienten ist, dass ein prinzipiell schon niedriger Blutdruck durch die Einnahme eines Betablockers zur Migränevorbeugung gesenkt wird.

Dies ist nur ausgesprochen selten der Fall. Üblicherweise werden Betarezeptorenblocker gut vertragen wenn sie langsam aufdosiert werden und dies zunächst mit einer kleinen Dosis (z.B. 1,25 mg Bisoprolol oder 10 mg Propranolol) gestartet wird und die Dosis dann alle 7 oder 14 Tage gesteigert wird. Die individuelle Zieldosis ist dann erreicht, wenn der Migränebetroffene merkt, dass sich an für sich Migräneattacken entwickeln würden, diese aber nicht durchkommen. Diese Dosis sollte man weiter für mindestens 3 Monate einnehmen, sein Kopfschmerztagebuch führen und sich mit diesem Kopfschmerztagebuch erneut vorstellen.

Üblicherweise werden Betablocker nie länger als 6 - 9 Monate notwendig sein zur Migränevorbeugung, dies ist jedoch dem Arzt-Patientengespräch und dem Verlauf der Migräne anheim, welche Schritte dann gewählt werden. Betarezeptorenblocker verursachen keine Abhängigkeit, gelegentlich kann es jedoch zu gedämpfter Stimmung bis hin zu Depressionen kommen. Es ist wichtig mit Ihrem Arzt zu sprechen wenn Sie Veränderungen Ihres inneren Erlebens verspüren.

 

• Flunarizin z. B. Flunavert / Sibelium (Calciumkanalblocker)

Diese Substanz wird von der Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft als Therapie erster Wahl neben Betablockern genannt. Flunarizin besitzt eine Reihe spezifischer Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Müdigkeit, Auslösen oder Verstärken von Depressionen, so dass es nicht sinnvoll ist die Substanz einzunehmen wenn man bereits an Depression gelitten oder Gewichtsprobleme hat. Der Vorteil der Behandlung mit Flunarizin ist, dass die Medikation einmal abends eingenommen werden muß und, sollten Schlafstörungen bestehen, der schlafanstoßende Effekt der Substanz ausgenutzt werden kann. Flunarizin macht ebenfalls nicht abhängig.

 

• Topiramat

Topamax Migräne® wurde ursprünglich als Medikament von Epilepsie entwickelt und hat eine hervorragende migräneprophylaktische Wirksamkeit. Die Wirksamkeit erklärt sich über die Hemmung von bestimmten Kanälen (Natrium- und Calciumkanäle im erregungsleitenden System im Gehirn). Topamax Migräne® sollte vorsichtig aufdosiert werden mit einer halben oder einer Tablette pro Tag mit Dosissteigerung alle 7 bzw. 14 Tage um je eine halbe oder eine Tablette je nach Verträglichkeit und Wirksamkeit unter Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.

Idealerweise wird die Tagesdosis auf zwei Einnahmezeitpunkte pro Tag verteilt. Das Nebenwirkungsprofil von Topiramat unterscheidet sich von Nebenwirkungen die sofort auftreten und selten rückgängig sind wie z.B. Sprach- und Sprechstörungen und Konzentrationsstörungen, sollten diese auftreten ist es sinnvoll die Substanz sofort zu stoppen.

Die Nebenwirkungen werden sich sofort wieder zurückbilden, sie sollten mit Ihrem Arzt die weitere Behandlung besprechen. Andere Nebenwirkungen können sein Kribbeln in Händen und Füßen sowie Geschmacksveränderungen. Diese Veränderungen sind meistens durch die Substitution von Kalium (z. B. 1 Banane pro Tag oder Kaliumsubstitution aus der Apotheke) auszugleichen.

 

• Antidepressiva

Antidepressiva sind seit langen Jahren im Gebrauch, ihre Wirksamkeit bei Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne ist in vielen Studien belegt. Am häufigsten im Gebrauch sind trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Amitriptylin N Oxyd (z. B. Amineurin®, Syneudon®, Equilibrin®). Trizyklische Antidepressiva werden sowohl zur Vorbeugung von Migräne wie auch in der Behandlung des Kopfschmerzes vom Spannungstyp eingesetzt.

Wichtig in der Einnahme ist zu beachten, dass zunächst kleine Dosen von z. B. 10 mg als abendliche Einmaldosis eingenommen werden sollten und die Dosis dann schrittweise alle 7 – 14 Tage bis zum Erreichen einer Zieldosis gesteigert werden sollte, die meist zwischen 50 bzw. 75 mg als abendliche Einmalgabe zur Nacht liegt. Das Nebenwirkungsprofil von dieser Substanz besteht meistens aus Mundtrockenheit, Müdigkeit und Gewichtszunahme und Obstipation, diese Nebenwirkungen sistieren jedoch meistens nach 6 bis 8 Wochen.

Dies ist auch der Zeitpunkt bei dem frühestens eine Wirksamkeit der Substanz zu erwarten ist. Üblicherweise sollte die Substanz zwischen 6 und 9 bzw. 12 Monaten eingenommen werden um ausreichend wirksam zu sein. Die sogenannten „Antidepressiva“ verursachen keine Abhängigkeit und auch keine psychischen Veränderungen. Die zur Depressionsbehandlung eingesetzten Dosierungen sind meist höher.

 

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