Die Ursachen / Pathophysiologie von Migräne:
Nur, wer über die Ursachen seiner Erkrankung viele Informationen hat, ist in der Lage, besser mit seiner Grunderkrankung umzugehen. Bei keiner anderen Erkrankung wie der Migräne gibt es so viele Vorurteile und negative Theorien über die Entstehung. Das Volk der Sumerer hielt Migräne für das Werk böser Geister und empfahl als Therapie Gebete zu ihren Göttern.
In der Antike und Mittelalter waren die meisten Erklärungen dahingehend, dass es sich bei Migräne um eine Verstopfung aller Sinne und eine Überschwemmung des Körpers mit Gallenflüssigkeit oder Schleim handelte. Die interessanteste Arbeit ist im 19. Jahrhundert von Edward Livings 1837. In einem Buch benannte der Autor die Migräne als Folge von „Nervengewittern“ (also übermäßige Entladung von Gehirnzellen).
Das ist an und für sich auch heute noch die gängigste Theorie. Die Grundlage für das moderne Verständnis von Migräne liegt in einem Experiment was Ende der 80er Jahre von Kollegen in Schweden und Australien durchgeführt wurde. Menschen wurde in einer Migräneattacke Blut aus den vom Kopf ableitenden Blutgefäßen (Vena jugularis) abgenommen.
Dieses Blut wurde auf bestimmte Schmerzüberträger und Botenstoffe wie Calcitonin, ………………….., pep……………… base, ………………………….., Substanz P untersucht. Im abschließenden Blut innerhalb der Migräneattacke war der Spiegel dieser Substanzen deutlich höher als bei den gleichen Menschen außerhalb einer Migräneattacke.
Aufgrund dieser Beobachtung, forschten dann Wissenschaftler weiter, dieses Mal an Tieren. Durch Reizung des Kerngebietes des Nervus trigeminus im Hirnstamm bei Versuchstieren wurde untersucht, was an den Endfasern des Nervus trigeminus passiert. Der Nervus trigeminus (Dreigefäßnerv) ist der Nerv, der im Kopf dafür zuständig ist Schmerzen weiterzuleiten. Seine Endstrecke endet auf Blutgefäßen, die auf der Hirnhaut liegen.
Das Gehirn selber ist nicht schmerzempfindlich, lediglich die Hirnhaut. Im Experiment wurde nun also dieses Kerngebiet des Nervus trigeminus gereizt und der Effekt auf dem Blutgefäß auf der Hirnhaut des Versuchstieres gemessen. Man konnte zum einen engen und weiten dieser Blutgefäße nachweisen, zum anderen auch eine Ausschüttung eines Cocktails „neurogene Entzündungsboten“ (CGRP,ViP,Substanz P, etc.).
Dies wird als aseptische, neurogene Entzündung bezeichnet. Diese Zellen bewirken, dass andere Zellen dorthin schwimmen und versuchen diese Zellen abzuräumen was zu einer Anschwellung an dieser Stelle führt. Somit sind wesentliche Phasen im Verlauf einer Migräneattacke erklärbar. Moderne Migränemedikamente in der Akuttherapie (die sogenannten Triptane) wirken dahingehend, dass die Attacken unterbrochen werden, d. h., dass engen und weiten von Blutgefäßen und die Ausschüttung von Schmerzbotenstoffen gestoppt werden.
Medikamente zur Migränevorbeugung wirken über verschiedene Mechanismen dahingehend, dass die Erregbarkeit des Gehirnes und des Hirnstammes mit dem Kerngebiet des Nervus trigeminus nachlässt. Warum Menschen so häufig an Übelkeit und Erbrechen leiden, die eine Migräneattacke haben erklärt sich durch die anatomische Lage des „Migränegenerators“ im Gehirn. Weiterhin ungeklärt ist jedoch, warum es bei bestimmten Menschen zu Migräneattacken kommt und warum diese Attacken wieder aufhören.
Generell lassen sich bei einer Migräneattacke verschiedene Phasen unterteilen. Die meisten Menschen beschreiben eine Prodromalphase (sog. Vorbotenphase), wobei es Stunden bis Tage vor den Kopfschmerzen zu Stimmungsschwankungen, innerer Unruhe, Konzentrationsschwäche, Esslust, Durst, Frösteln, Ödemen, Schlaf- und Verdauungsstörungen kommen kann. Dieses bunte Krankheitsbild sollte für Betroffene ein Hinweis darauf sein, dass, falls sich Kopfschmerzen einstellen, diese am ehesten Migränekopfschmerzen sind.
Bis zu 15% aller Menschen leiden dann an Auraphänomenen, die selten länger als eine halbe Stunde andauern, mit visuellen Störungen, Halbseitenlähmungen, Sensibilitäts-, Sprach- und Sprechstörungen. Der Kopfschmerz der sich dann darstellt beginnt meist morgens, verschlechtert sich bewegungsabhängig, ist von Photo- und Phonophobie (Licht- und Lärmempfindlichkeit) sowie Nausea und Vomitus (Übelkeit und Erbrechen) begleitet. Bei der Rückbildung kommt es zu ähnlichen Symptomen wie in der Vorbotenphase oder einer Harnflut.
Es ist wichtig, dass Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie mit ihm über Migräne sprechen, auch über die Begleitsymptome, Vorboten und Folgen der Kopfschmerzphase sprechen, damit dieser sich ein genaues Bild Ihrer Erkrankung machen kann.